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Show/Hide Abstract Entwicklungsprojekte im ländlichen Benin im Kontext von Migration und Ressourcenverknappung (2005)
Uwe Singer
Die Entwicklungsplanung in ländlichen Gebieten Afrikas ist vielerorts mit der raschen Komplexitätszunahme gesellschaftlicher Verhältnisse in ihrem Wirkungsfeld konfrontiert. Im südlichen Borgou Benins als dem Untersuchungsgebiet der vorliegenden Arbeit wird die gesellschaftliche Dynamik stark durch die beiden sozialen Prozesse der Zuwanderung und der Ressourcenverknappung geprägt. Die stärkere Berücksichtigung solcher Dynamiken durch die Entwicklungszusammenarbeit wird im Rahmen aktueller Entwicklungskonzeptionen wie Dezentralisierung und Armutsbekämpfung gefordert. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Fragestellung, wie ein sich selbst rasch verändernder Sektor von mit Entwicklungszusammenarbeit befassten Akteuren einerseits zu diesen Wandelsprozessen beiträgt, und andererseits auf durch den Wandel entstandene, neue gesellschaftliche Problemlagen reagiert. Theoretische und methodische Zugänge zu diesem Untersuchungsgegenstand finden sich in verschiedenen Konzepten der Politikfeldanalyse und der akteursorientierten Entwicklungsforschung. Beide Forschungsstränge verbindet die konstruktivistische Überlegung, dass gesellschaftliche Probleme und ihre Lösungen inklusive der jeweiligen Adressatengruppen über konfliktive Aushandlungsprozesse in der Planungsphase geschaffen werden und im Verlauf der Implementierung interessenbedingten Veränderungsprozessen unterworfen sind. Zur Einlösung dieser Perspektive wird zunächst in die Grundzüge der historischen gesellschaftlichen Entwicklungen im Hinblick auf heutige gesellschaftliche Dynamiken im ländlichen Benin einführt. Im Mittelpunkt steht dabei der Landrechtswandel für allochthone Gruppen als Folge von Zuwanderung und einhergehender Ressourcenverknappung. Um die Reaktionen des regionalen Ensembles von Entwicklungsorganisationen auf gesellschaftliche Wandelsprozesse zu untersuchen, wird eine Querschnittsanalyse von 23 Entwicklungsprojekten, inklusive privater und zivilgesellschaftlicher Umsetzungsagenturen vorgenommen. Die komparative Analyse zeigt anhand von Projektaktivitäten, der Zielgruppendefinitionen und den Kriterien der Projektgebietsbestimmung auf, dass von der Berücksichtigung sozialer Folgeprozesse von Zuwanderung und Ressourcenverknappung in der Projektplanung weitgehend abgesehen wurde. Zusätzliche Hintergründe hierfür erschließen sich durch die Analyse der diskursiven Legitimationspraktiken in den Projektdokumenten und Mitarbeiteraussagen. Dort wird Migration entgegen den empirischen Realitäten des südlichen Borgou vorwiegend als Landflucht thematisiert. Demgemäß sind viele allochthone Bevölkerungsgruppen in den Projektdokumenten gar nicht, bzw. deren Lebensrealität nur sehr unvollständig repräsentiert. Dort, wo die Existenzsicherungsstrategien der Zuwanderer lebensnah abgebildet sind, handelt es sich um fragmentiertes Wissen auf der Ebene einzelner Projekte, das noch keinen sektorweiten Eingang in die Planungen anderer Projekte gefunden hat. Auch die Diskussion um die ökologischen Auswirkungen von Entwicklungsinterventionen in den Projekten ist von der Praxis der ökologischen Kontextualisierung im Rahmen von development narratives und des policy labelling geprägt. Obwohl sich der Ressourcennutzungsdruck durch vielerlei Projektaktivitäten nicht nennenswert verringert, werden die Maßnahmen nach außen hin durchweg in den Kontext einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung gestellt. Die Untersuchung von Implementierungsprozessen beginnt mit einer zwischen den Untersuchungsdörfern vergleichenden Analyse lokaler Aneignungspraktiken von Leistungen der Entwicklungszusammenarbeit. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Aneignungen der Förderleistungen durch alte und sich neu bildende lokale Eliten als zentrale Modi des Umgangs mit Entwicklungsinterventionen auf der lokalen Ebene anzusehen sind. Eine zentrale Praxis der Aneignung ist dabei die Exklusion allochthoner Akteure aus den Empfängergruppen. Auch die aus der Projektperspektive gewonnen Erkenntnisse über die ökologischen Auswirkungen der EZ werden mittels lokaler Befunde konkretisiert. Erneut wird deutlich, dass eine nachhaltige Restrukturierung der Landwirtschaft durch die derzeitige Förderpraxis nicht erreicht werden kann. Als Hauptergebnis ist festzuhalten, dass die diskursiv vermittelten Praktiken in der Planungsphase in mindestens ebenso hohem Umfang an der Konstitution sozialer Realitäten im Untersuchungsgebiet beteiligt sind wie die von Empfängern und lokalen Entscheidungsträgern getragenen Transformationsprozesse während der Implementierung.

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