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Show/Hide Abstract Fischökologische Funktionalität von Fließgewässerrenaturierungen im oberfränkischen Mainsystem (2007)
Thomas Speierl
1. Im oberen Mainsystem, an Main und Rodach (Oberfranken) wurden seit 1992 ausgedehnte Fließgewässerrenaturierungen durchgeführt (Wasserwirtschaftsamt Bamberg). Aktuell umfassen die Maßnahmen 25 Flussbereiche mit mehr als 15 km Länge. Die Maßnahmen verbesserten die natürliche Flussdynamik und Habitatvielfalt (Flussaufweitungen, neue Seitenarme, Anbindung der Aue und lateraler Gewässer). 2. Die Untersuchung (1999, 2002-2004) erfasste die fischökologische Funktionalität unterschiedlicher Renaturierungsmaßnahmen. Die Zusammensetzung und zeitliche Veränderung von Fischgemeinschaften wurde zwischen drei regulierten und renaturierten Flussbereichen verglichen (Monitoring-Bereiche). Der Einfluss morphologischer und hydrologischer Faktoren erfasst (Breiten- und Tiefenvarianz, Abfluss). Verhaltensökologische Mechanismen wurden analysiert (Migrationsverhalten, Drift). Für die Leitart Barbe (Barbus barbus) wurden Bestandsdynamik und Populationsaufbau ermittelt. Aktive Fangmethoden waren die Elektrofischerei und das Zugnetz, passive Methoden Forney- und Lichtfallen, Drift- und Trappnetze. 3. Insgesamt wurden 32 Fischarten erfasst, 70% der Fischarten Oberfrankens. 15 Arten waren in der RL Deutschlands geführt, von denen wiederum 13 Arten in der RL Bayerns vorkamen. Aus naturschutzfachlicher Sicht war der Nachweis von 8 kieslaichenden und bundesweit gefährdeten Fischarten hoch zu bewerten (Äsche, Thymallus thymallus; Bachforelle, Salmo trutta; Barbe, Barbus barbus; Hasel, Leuciscus leuciscus; Lachs, Salmo salar; Nase, Chondrostoma nasus; Nerfling, Leuciscus idus und Rapfen, Aspius aspius). 4. Es gab keine einheitlichen, charakteristischen Fischgemeinschaften der regulierten und renaturierten Flussstrecken. Die renaturierten Flussbereiche waren insgesamt produktivere Fischbezirke. 5. In den regulierten und renaturierten Flussbereichen aller Monitoring-Bereiche dominierten die euryöken Cyprinidenarten Aitel (Leuciscus leuciscus), Laube (Alburnus alburnus) und Rotauge (Rutilus rutilus) die adulte und juvenile Fischgemeinschaft. In den renaturierten Flussbereichen bildeten sich mit den Jahren spezialisiertere Fischgemeinschaften aus, während die regulierten Bereiche zunehmend von euryöken Arten bestimmt wurden. In den regulierten Flussbereichen waren die Jungfischbestände gering. 6. Die renaturierten Seitengewässer waren wichtige Winterstandorte für die adulten und juvenilen Fischbestände. Die Variabilität der Gewässertiefe war das wichtigste Strukturmerkmal für die Qualität der Winterhabitate. Im Winter stiegen die Artenvielfalt, Diversität, Evenness und das durchschnittliche Körpergewicht der Jungfische bei zunehmender Tiefenvarianz signifikant an. 7. Die renaturierten Flussbereiche waren für die Driftstadien der larvalen und juvenilen Fische Refugien mit günstigen Wachstumsbedingungen. Sie waren wichtige Ausgangspunkte für deren Verbreitung im Flusssystem. Die Drift zeigte ein saisonales und tageszeitliches Muster. Das Driftaufkommen nahm mit steigenden Wassertemperaturen zu. Hydrologische Parameter bestimmten die Driftintensität. 8. Eine neu gestaltete Altwasser-Kiesseeanbindung zum Main war ein wichtiges Laichgebiet und Jungfischhabitat. Sie wurde von den juvenilen und adulten Fischen als Nahrungshabitat und Wintereinstand genutzt. Es kam zu umfangreichen saisonalen und tagesrhythmischen Wanderbewegungen zwischen Fluss und Seitengewässer. Für die phythophilen Arten Hecht (Esox lucius), Schleie (Tinca tinca) und Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus) waren die Laichbedingungen im Seitengewässer günstig. Die Anbindung war ein hochwertiges Jungfischhabitat. Das reiche Zooplanktonangebot in der Anbindung führte zu tageszeitabhängigen „feeding migrations“ juveniler und adulter Fische. Im Oktober begannen die juvenilen und adulten Fische ihre Wintermigration in das Seitengewässer. 9. Die Renaturierungsmaßnahmen verbesserten für die Leitart Barbe das Angebot, die Größe und die Verknüpfung lebenswichtiger Habitattypen. In 5 Jahren (1999-2004) stieg der Anteil der Barbe am gesamten Fischbestand um 25%. Die Erträge erreichten natürliche Bestandswerte. 10. Die Untersuchung an Flutmulden zeigte, dass neu geschaffene Auengewässer eine wichtige Funktion als Refugien und Jungfischhabitate haben und folglich den natürlichen Fischbestand stabilisieren. 11. Die Abflussdynamik beeinflusste die Fischgemeinschaften. Während Hochwasserwellen konzentrierten sich die Fischbestände kurzfristig entlang der Ufer, in den Seitengewässern und den Überflutungszonen der Aue. Das bessere Angebot an Refugien in renaturierten Flussbereichen erleichterte den Fischen ein schnelles Ausweichen. 12. Die aktuell ausgeführten Renaturierungsmaßnahmen konzentrieren sich vorrangig auf den Hauptstrom. Von ihnen profitieren v.a. die strömungsliebenden (rheophilen) Fischarten. In Zukunft muss die laterale Gewässerverknüpfung verbessert werden, um die Situation der phythophilen Fischarten zu stärken und das Angebot an Refugialräumen zu erhöhen.

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