• Deutsch
Login

OPUS

  • Home
  • Search
  • Browse
  • Publish
  • FAQ
Search Fields

Refine

Keywords

  • Land-Stadt-Gefälle (1) (remove)

1 search hit

search hit 1 to 1

Show/Hide Abstract Fortschritte - Land-Stadt-Wanderung von Frauen in Tansania (2002)
Verena Knippel
EXPLOSIONSARTIGE STADTENTWICKLUNG UND UNSICHTBARE MIGRANTINNEN Die Stadtentwicklung Tansanias ist in dreifacher Weise interessant: Die Anti-Urbanisierungspolitik Nyereres wurde weltbekannt und konnte doch weder eine der höchsten Stadtwachstumsraten weltweit verhindern, noch dass Daressalaam sich zu einer Primatstadt mit den typischen Problemen entwickelte. Seit den siebziger Jahren stellen Frauen die Mehrheit der Migranten, doch in Literatur und Diskussion sind sie 'unsichtbar' geblieben. Diese Studie will Gründe und Auswirkungen der Land-Stadt-Wanderung von Frauen erklären. Für ein Verständnis des Migrationsprozesses werden sowohl Trends auf nationaler Ebene als auch individuelle Strategien analysiert. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile: Theorie und Methodik für Frauen-, Entwicklungs- und Migrations-forschung, Literaturstudie zu Frauenalltag und -migration in Tansania und Feldstudie mit Migrantinnen in Daresalaam. Letztere stützt sich auf eine Befragung von 302 Frauen an ausgewählten Wohnorten und Arbeitsplätzen zwischen 1993 und 1995, sowie 50 biographische Interviews und eine Reihe von Expertengesprächen. WIRTSCHAFTLICHE ODER SOZIALE WANDERUNGSGRÜNDE? Im Zuge verbesserter Schulbildung gewinnen wirtschaftliche Motive auch für Frauen rasch an Bedeutung. Darüber hinaus gibt es frauenspezifische Wanderungsmotive, etwa Heirat oder Mitarbeit im Haushalt von Verwandten in der Stadt. Die Situation auf dem Land ist von Diskriminierung beim Zugang zu Land und anderen Ressourcen, traditionellen Rollenzuweisungen und hoher Arbeitsbelastung sowie der Abwanderung der Männer geprägt, was zur Suche nach Alternativen führt. Frauen wachsen traditionell als zukünftige Migrantinnen auf: die Familienfelder werden den Brüdern vererbt, da sie nach der Heirat ins Dorf des Ehemannes ziehen. Der Besuch der Sekundarschule setzt ebenso einen Umzug voraus, wie die übliche Mithilfe im Haushalt von Verwandten in der Stadt. Nach einem Stadtaufenthalt ziehen die meisten Frauen aus dem Dorf weg. Die Migrationsgründe liegen weder in der Stadt noch auf dem Land, sondern im Lebenslauf. UNABHÄNGIGE MIGRATION ODER 'FAMILIENUNTERNEHMEN'? Migrantinnen sind heute besser informiert und entscheiden selbst, während ältere Frauen gerne berichten, sie seien 'wie Gepäck' mitgebracht worden. Eine wachsende Anzahl alleinstehender Frauen zieht selbständig und unabhängig in die Stadt. Die Unterstützung der Familie spielt doch weiterhin eine wichtige Rolle bei der Bezahlung der Fahrt und der ersten Unterkunft in der Stadt bei Verwandten, und ermutigt Kettenmigration. Der Umzug in die Stadt ist häufig als Besuch angelegt, wird meist ohne Gepäck unternommen. Die Wanderungsentscheidung wird weniger vor der Abreise getroffen sondern wiederholt in der Stadt - gegen eine Rückkehr ins Dorf. WERDEN MIGRANTINNEN ZU STÄDTERINNEN? Die meisten Frauen bewerten die Migration positiv und bewältigen den städtischen Alltag mithilfe von informellen Einkommen und Nachbarschaftshilfe. Doch sie unterhalten enge Beziehungen mit der Familie im Heimatdorf. Die Wanderung ist nicht der Versuch, familiären Verpflichtungen zu entkommen, sondern sie besser erfüllen zu können. Der Unterschied zwischen Stadt- und Landleben wird mit der Dominanz der Geldwirtschaft (und den damit verbundenen Chancen und Risiken) einerseits und der Subsistenzlandwirtschaft und Grossfamilie andererseits beschrieben. Viele betonen, dass es auf dem Land 'keinen Fortschritt' gebe: 'wenn du es zu etwas bringen willst, musst du in die Stadt'. Maendeleo (Swahili: Entwicklung, Fortschritt) ist das wichtigste politische Idiom seit der Unabhängigkeit und ein wichtiges Leitbild für Migrantinnen. Die Mehrheit bevorzugt Daressalaam als Wohnort für die nähere Zukunft, doch viele möchten im Alter ins Dorf zurückzukehren. Der Plan ist, Geld für den Hausbau zu verdienen, und dadurch im Kreis der Familie und gleichzeitig unabhängig leben zu können. Migration ist eine Strategie zur Verbesserung der Lebensbedingungen, Daressalaam ist der Ort 'zum Arbeiten aber nicht zum Leben'. SIND FRAUEN URBANER ALS MÄNNER? Die Situation ist paradox: die Land-Stadt-Wanderung von Frauen wird gleichzeitig besonders gefördert und verurteilt. Frauen haben mehr zu gewinnen, Einkommen und Unabhängigkeit, doch sie sehen das Stadtleben kritisch und kennen die Risiken. Selbst wenn es Verantwortung für die Versorgung der Familie ist, die Frauen aus dem Dorf treibt, werden sie in der Stadt nicht mit Respekt empfangen. Die massenweise Migration von Frauen wird unterschätzt, missverstanden und mit sozialen Problemen wie Prostitution gleichgesetzt. Dies erschwert auch die Rückwanderung. Für die Situation von Frauen in Tansania sowie die zukünftige Stadtentwicklung ist es wichtig, Migration als Streben nach Fortschritt und Teil einer städtischen Strategie zu verstehen

search hit 1 to 1

OPUS4 Logo

  • Contact
  • Imprint
  • Sitelinks