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Show/Hide Abstract The Creolization of Food in New Orleans (2007)
Petra Block
Einer der zentralen Begriffe der Arbeit ist Kultur. Kultur wird hier nicht als etwas Abgegrenztes oder Statisches verstanden, sondern als kreativer Prozess. Kultur besteht aus zwei Polen: einem statischen und einem dynamischen. Auf der statischen Seite wird Kultur verstanden als „Zivilisation“, die von Normen bestimmt wird. Die dynamische Seite beinhaltet den politischen Gehalt und hier dominiert die Kreativität. Beide Betrachtungsweisen verdeutlichen das Spannungsfeld zwischen der Alten Welt mit dem Verständnis von Kultur als Zivilisation und der Neuen Welt, mit der Abwesenheit einer „High Culture“, einer größeren Verfügbarkeit von Natur und dem Gedankengut des Republikanismus. Neben Kultur ist der wichtigste Kernbegriff Kreolisierung mit zwei Verständnisweisen: Einerseits steht Kreolisierung für einen permanenten, symbiotischen Prozess, getragen durch Vielzahl und Konflikt. Andererseits für, speziell auf NO bezogen, ein kulturelles Kapital der frankophonen Kreolen. In der Frühkolonialen Periode entstand durch Kreolisierung eine indigene eigene Kultur im südlichen Louisiana. Hierfür waren bestimmte Rahmenbedingungen ausschlaggebend: NO war nur von Randbedeutung für die Europäischen Mächte und wurde entsprechend vernachlässigt. Daraus folgte eine unzureichende Besiedlung und Versorgung durch das jeweilige Mutterland. Es wurde nur wenig Druck ausgeübt, die Normen der jeweiligen Kolonialmacht anzunehmen. So entstand eine eigene Kreolische Kultur als verbindendes Element. Dazu kam die besondere geographische Lage. Ein großes Nahrungsangebot war zwar existent, doch weitgehend unzugänglich für Europäer. Ein enger Kontakt zu den ansässigen Indianern wurde zur Vorraussetzung fürs Überleben. Es entstand eine Early Market Economy. Input erhielt dieser Handel dadurch, dass die Plantagenwirtschaft in Louisiana kaum Gewinne abwarf. Sklaven wurden dadurch große Freiheiten bzgl. der Selbstversorgung eingeräumt. Der relativ friedliche Umgang der verschiedenen Ethnien miteinander wurde zudem sanktioniert von der multikulturellen Toleranz eines Colbertianischen Merkantilismus. Auch die spezifischen demographischen Verhältnisse trugen das ihre dazu bei. Die Weißen waren in der Minderheit. Auf der einen Seite gab es eine sehr kleine fragmentierte weiße Gesellschaft ohne nennenswerte Familienstrukturen und auf der anderen Seite eine große relativ intakte selbstbewusste farbige Gesellschaft. Die neu entstehende Esskultur stabilisierte sich daher in den farbigen Gruppen. All diese Vorraussetzungen führten zum Entstehen einer eigenen indigenen kreolischen Kultur in NO. Das kreolische Grundkapital festigte sich bis zum Bürgerkrieg, zum einen durch demographische Auffrischung von den Haitianischen Flüchtlingen. Zum anderen als Widerstandsbewegung gegen eine zunehmende multiethnische Einwanderung angeführt von Angloamerikanern. Kreolen fühlten sich bedroht und errichteten Grenzen und Normen fürs Kreolisch sein. Kreolisierung ist aber nichts Statisches. Der Wandel zur multiethnischen Gesellschaft durch stetige Einwanderung zeigte dies. Vor allem in den 1890ern, als vermehrt Italiener nach NO kamen, die den Kreolisierungsprozess aktiv fortsetzten. Anpassungsprozesse führten zu Spannungen und immer wieder zu neuen Fusionen, die entstehen konnten auf Grund einer hohen Toleranz für Andere und der Bereitschaft eigene Traditionen zu modellieren. Speziell der Bereich Esskultur zeigt die komplexen Strukturen von interkulturellen Anpassungsprozessen. Grundsätzlich bildet Essen die Grundlage der materiellen Kultur einer jeden Gesellschaft. Das Besondere ist aber, dass Essen weitgreifende Funktionen darüber hinaus hat. Das alles Entscheidende hierbei ist die Tatsache, dass wir uns Essen einverleiben – die äußere Welt wird zur Inneren und dadurch wird eine philosophische/religiöse Dimension deutlich und der wichtigste Unterschied zur restlichen materiellen Kultur. Essen ist damit nicht nur Kulturgut, sondern schafft von Innen heraus auch Kulturpraktiken. Darüber hinaus steht Essen aber auch in dem Spannungsfeld zwischen Lust/Genuss und Askese/Vernunft. Essstörungen zeigen die Auswüchse der Gesellschaft – dass Essen uns in dieser Dialektik hält zwischen Lust und Vernunft. Im Hinblick auf NO zeigte sich dieser Gegensatz zwischen dem Überfluss im südl. Louisiana und dem Mangel in der Alten Welt, oder den republikanischen Vorstellungen von Enthaltsamkeit im Norden im Gegensatz zur katholischen oder besser mediterranen Sinnlichkeit in NO. Überfluss und Reichtum sind notwendig um Cuisines entstehen zu lassen. Zusätzlich Bedarf es starker familiärer und regionaler Esstraditionen, die zu einem ethnischen Identitäts-Bewusstsein beitragen. In einem steten Optimierungsprozess, angetrieben durch Neugierde und Lust, entstehen dadurch Cuisines. In Europa kam hier dem Adel und der Bourgeoisie eine wichtige Rolle zu, in NO waren es die frankophonen Creolen.

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