Kuduru - Musikmachen ohne Führerschein

Kuduru - Making Music without drivers license

Im diesem Artikel möchte ich einen ersten wissenschaftlichen Versuch unternehmen, die musikalische Kultur des Kuduru und seine Bedeutung sowohl in der angolanischen Hauptstadt als auch in der - vielfach als Vorort Luandas wahrgenommenen - zweiten Produktionsstätte Lissabon zu beleuchten. Kuduru als rein elektronische Musik ist derzeit tatsächlich als einzigartig für Afrika zu bewerten - abgesehen von einigen südafrikanischen Kwaito-Stücken gibt es keine nur mit Computertechnologie generierte PopIm diesem Artikel möchte ich einen ersten wissenschaftlichen Versuch unternehmen, die musikalische Kultur des Kuduru und seine Bedeutung sowohl in der angolanischen Hauptstadt als auch in der - vielfach als Vorort Luandas wahrgenommenen - zweiten Produktionsstätte Lissabon zu beleuchten. Kuduru als rein elektronische Musik ist derzeit tatsächlich als einzigartig für Afrika zu bewerten - abgesehen von einigen südafrikanischen Kwaito-Stücken gibt es keine nur mit Computertechnologie generierte Populärmusik. In den populären Jugendkulturen anderer afrikanischer Metropolen ist vielmehr lokaler Hip Hop und Reggae dominant. Die vielfach an zeitgenössische Musikentwicklungen herangetragene Kritik der Homogenisierung und Amerikanisierung durch globale Einflüsse lässt sich im Fall der Kuduru-Szene kaum bestätigen. Zwar handelt es sich hier um elektronische Musik, die sich musikalisch westlichen Musikkulturen annähert und mit diesen kreuzt, jedoch haben wir es nicht mit einer Rave-Kultur zu tun, wie sie in den urbanen Zentren Europas im Zusammenhang mit Techno- und Housemusik seit den späten 1980er Jahren entstanden ist. Im Kuduru geht es nicht um ´kollektive Tanzekstase, oder ´unreflektierte Spaß- und Partykultur, Elemente die als charakteristisch für die Rave-Kultur der 1990er Jahre gelten. Kuduru und seine Performance sind vielmehr individualistisch angelegt. Zwar findet, wie auch in anderen Bereichen elektronischer Musikkultur, eine Art Nivellierung der Hierarchiestrukturen statt, vor allem über den offenen Austausch von Daten und Informationen (sog. open-content) sowie eine starke Vernetzung über die so genannte ´virtuelle Kulturrealität, das Internet. Gleichzeitig gibt es Kuduru aber auch ganz manifest in der Kulturrealität vor Ort. Hier wird Starkult betrieben und Machtpositionen zwischen den besten Musikern, DJs und Tänzern werden ausgehandelt.show moreshow less
In Luanda, the capital of Angola, we can find an unusual musical expression. Since the mid 1990s, Kuduru (stiff bottom in Kimbundu language) is the most popular music-style in the musseques, Luandas suburbs. Imported to Lisbon through the Angolan migrants, we find several lines of transformation and the competition between Kuduru Luandense and Kuduru Lisboeta in terms of the better and more authentic style. Combined with a set of defined dance movements, this music style, which is the only pure In Luanda, the capital of Angola, we can find an unusual musical expression. Since the mid 1990s, Kuduru (stiff bottom in Kimbundu language) is the most popular music-style in the musseques, Luandas suburbs. Imported to Lisbon through the Angolan migrants, we find several lines of transformation and the competition between Kuduru Luandense and Kuduru Lisboeta in terms of the better and more authentic style. Combined with a set of defined dance movements, this music style, which is the only pure electronic music in Africa (except south-african Kwaito), is distributed primarily through informal markets and first of all in virtual mediascapes like Youtube and MySpace. Kuduru are urban music-styles based on relentlessly fast minimalist rhythm, electronic beats with loops and samples, that are able to express the fractious energies and desires of a generation is starting to unfold after three decades of civil war. Rapping is in Calao, the language of the city Luanda, a combination of Portuguese and Kimbundu. We find references to national heroes like Agostinho Neto and popular music styles since the 1950s. In this article I will enter the discussion of the development of Kuduru and its significance in the urban setting of Luanda and Lisbon, on which we dont find any scientific analysis, yet. I will contrast it with other art- and music-scenes in that city, regarding the different ways of appropriation and (re)making of a cultural life. With my example, I will analyze the role of virtual spaces for African youth culture and urbanity, and its increasing significance in the communication between homeland and diaspora in the 21st century.show moreshow less

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Metadaten
Institutes:Facheinheit Ethnologie
Author: Nadine Siegert
Year of Completion:2009
Series (Volume number)Bayreuth African Studies Working Papers (7,[1])
SWD-Keyword:Afrika; Angola; Unterhaltungsmusik
Tag:Buraka Som Sistema; DJ Znobia; Dog Murras; Kuduru; Puto Prata
Dubstep
Dewey Decimal Classification:300 Sozialwissenschaften
URN:urn:nbn:de:bvb:703-opus-5675
Source:Ethnoscripts, Bd. 10 (2008), 1, (S.102-124)
Document Type:Article
Language:German
Date of Publication (online):03.07.2009