Vogelgemeinschaften in südecuadorianischen Bergregenwäldern unterschiedlicher Struktur

Bird Communities of South Ecuadorian Mountain Rainforests of Different Structure

Im Rahmen der DFG-Forschergruppe 402 (Funktionalität in einem tropischen Bergregenwald Südecuadors: Diversität, dynamische Prozesse und Nutzungspotentiale unter ökosystemaren Gesichtspunkten) wurden die Vogelgemeinschaften verschiedener Strukturtypen des Bergregenwaldes im Gebiet der Estación Científica San Francisco (ECSF) im Süden Ecuadors untersucht. Durch Punkt-Stop-Beobachtungen, Netzfänge und Zufallsbeobachtungen wurden in einem Höhenbereich zwischen 1800m und 3150m N.N. die vorkommenden VIm Rahmen der DFG-Forschergruppe 402 (Funktionalität in einem tropischen Bergregenwald Südecuadors: Diversität, dynamische Prozesse und Nutzungspotentiale unter ökosystemaren Gesichtspunkten) wurden die Vogelgemeinschaften verschiedener Strukturtypen des Bergregenwaldes im Gebiet der Estación Científica San Francisco (ECSF) im Süden Ecuadors untersucht. Durch Punkt-Stop-Beobachtungen, Netzfänge und Zufallsbeobachtungen wurden in einem Höhenbereich zwischen 1800m und 3150m N.N. die vorkommenden Vogelarten inventarisiert sowie Artenreichtum und Diversität der Vogelgemeinschaften der von PAULSCH, A. (2002) klassifizierten Waldstrukturtypen untersucht. Anschließend wurden funktionale Zusammenhänge zwischen dem Vorkommen ausgewählter Vogelarten und strukturellen Parametern der Vegetation näher betrachtet sowie Zusammensetzung und Diversität der Vogelgemeinschaften ungestörter und anthropogen beeinflusster Waldstrukturtypen vergleichend untersucht. Insgesamt konnten im Untersuchungsgebiet 227 Vogelarten nachgewiesen werden. Die wichtigsten Nahrungsgilden wurden durch die Insectivoren (100 Arten), Frugivoren (57) und Nectarivoren (35) gebildet, wobei mit 29 Arten eine gegenüber anderen Untersuchungen deutlich höhere Zahl an Kolibris (Trochilidae) anzutreffen war. Durch das azonale Vorkommen eines durch Purdiaea nutans (Cyrillaceae) geprägten Waldtyps wurde in der Höhenstufe zwischen 2150m und 2650m N.N. im Untersuchungsgebiet eine andere Vogelgemeinschaft angetroffen als in vergleichbaren Gebieten. Ein Vergleich der Vogelgemeinschaften der Waldstrukturtypen ergab die höchsten Mittelwerte des Artenreichtums im ‚Anthropogen beeinflussten Schluchtwald tieferer Lagen’ und am ‚Waldrand tieferer Lagen’. Mehr als ein Drittel der durch Punkt-Stop-Beobachtungen und Netzfänge nachgewiesenen Vogelarten kamen in einer Meereshöhe zwischen 1900m und 2000m N.N. vor. In diesem Bereich sind im Untersuchungsgebiet anthropogen beeinflusste Waldtypen sowie verschiedene Sukzessionsstadien anzutreffen, welche auch die beiden oben genannten Strukturtypen charakterisieren. Wie die Aufenthaltspräferenzen der Vogelarten zeigen, ist der hohe Artenreichtum in diesem Höhenbereich vor allem auf typische Waldrandarten und auf die Überlappung der Habitate von Waldarten mit denen der Arten offenerer Bereiche zurückzuführen. Für den anthropogen beeinflussten Schluchtwald und die Waldränder wurden mit 41,5 und 34 auch die höchsten Diversitätswerte (Fisher’s Alpha) berechnet. Die Abschätzung des potentiellen Artenreichtums (Chao1, ACE) ergab, dass in fast allen Waldstrukturtypen über 80% der Vogelarten nachgewiesen werden konnten. Die Ergebnisse der hier vorliegenden Untersuchung bestätigen somit die immense Artenvielfalt im Gebiet der ECSF, wie sie auch schon für andere Gruppen aus Fauna und Flora beschrieben wurde. Hinsichtlich der Habitatpräferenzen bzw. Höhenamplituden konnten für verschiedene Vogelarten Abweichungen gegenüber den Literaturangaben gefunden werden. Dies ist auf den noch immer recht geringen Kenntnisstand über die Avifauna der ecuadorianischen Bergregenwälder zurückzuführen. Für die Vogelarten verschiedener Familien konnten im Laufe der Untersuchung bestimmte Aufenthaltspräferenzen bezüglich Meereshöhe und Habitat gefunden werden, welche sich allerdings nicht mit strukturellen Vegetationsparametern begründen ließen. Es wurden aber auch 12 Vogelarten nachgewiesen, die als Kennarten für einen bestimmten Waldstrukturtyp gelten können. Für fünf dieser Arten konnten zudem funktionale Zusammenhänge zwischen ihrem Vorkommen im Untersuchungsgebiet und strukturellen Parametern der Vegetation im jeweiligen Waldstrukturtyp gefunden werden. Eine vergleichende Untersuchung der Vogelgemeinschaften entlang eines Gradienten menschlicher Einflussnahme (‚Primärer Schluchtwald tieferer Lagen’ - ‚Anthropogen beeinflusster Schluchtwald tieferer Lagen’ - ‚Reste von Schluchtwald tieferer Lagen’) zeigte den höchsten Artenreichtum und die größte Alpha-Diversität im anthropogen beeinflussten Schluchtwald. Die Anzahl typischer Waldarten nahm entlang des Gradienten ab, wogegen diejenige der typischen Waldrandarten bzw. Arten der halboffenen Habitate anstieg. Innerhalb der Nahrungsgilden zeigte sich eine Abnahme der Artenzahl entlang des Gradienten für die Insectivoren des Unterwuchses, die großen Frugivoren und die Omnivoren, während die Zahl der Granivoren zunahm. Die größte Zahl der Nectarivoren war, vermutlich aufgrund der großen Anzahl an Nahrungspflanzen, im anthropogen beeinflussten Schluchtwald anzutreffen. Vor allem der Rückgang typischer Waldarten unter zunehmendem anthropogenem Einfluss belegt die Wichtigkeit von Schutzmaßnahmen für große Flächen ungestörten Regenwaldes. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der extrem hohen Entwaldungsrate in den Bergregenwäldern Ecuadors und der gleichzeitig enorm hohen Biodiversität in diesen Gebieten, wie sie auch in dieser Untersuchung gezeigt werden konnte.show moreshow less
Within the framework of the Research Unit 402 of the DFG (Functionality in a Tropical Mountain Rainforest: Diversity, Dynamic Processes and Utilization Potentials under Ecosystem Perspectives) bird communities of different structural types of mountain rainforest were investigated in the area of Estación Científica San Francisco (ECSF) in southern Ecuador. All bird species occurring in an altitude between 1800 m and 3200 m a.s.l. were recorded by point-counts, mist-netting and observations ‘by chWithin the framework of the Research Unit 402 of the DFG (Functionality in a Tropical Mountain Rainforest: Diversity, Dynamic Processes and Utilization Potentials under Ecosystem Perspectives) bird communities of different structural types of mountain rainforest were investigated in the area of Estación Científica San Francisco (ECSF) in southern Ecuador. All bird species occurring in an altitude between 1800 m and 3200 m a.s.l. were recorded by point-counts, mist-netting and observations ‘by chance’. Species richness and diversity of bird communities of the structural forest types classified by PAULSCH, A. (2002) were studied. Functional relationships between bird species distribution and structural vegetation parameters were examined and composition and diversity of the bird communities of primary and anthropogenic influenced structural forest types were compared. A total number of 227 bird species was recorded in the investigation area. The most important feeding guilds were insectivores (100 species), frugivores (57) and nectarivores (35). With 29 species a considerable higher number of hummingbirds (Trochilidae) was recorded compared to other investigations. Due to the azonal occurrence of a forest type characterised by Purdiaea nutans (Cyrillaceae) the bird community in the investigation area between 2150 m and 2650 m a.s.l. differs from those in comparable areas. A comparison of the bird communities of different structural forest types showed highest mean values of species richness in ‘Ravine forest under human influence’ and ‘Forest edge of lower altitude’. More than one third of the species recorded by point-counts and mist-netting occurred in an altitude between 1900 m and 2000 m a.s.l. Forest types under human influence and different successional stages are found at this elevation in the investigation area, characterising as well the two structural forest types mentioned above. As habitat preferences of the different bird species showed, the high species richness at this altitude is based on the occurrence of forest edge species and the overlapping habitats of forest species and those of more open areas. Highest values of alpha-diversity (Fisher’s Alpha) occurred in the anthropogenic influenced ravine forest and the forest edge with 41.5 and 34. Estimation of potential species richness (Chao1, ACE) showed that in nearly all structural forest types more than 80% of the expected bird species were recorded. The immense species diversity in the ECSF area, already described for different groups out of fauna and flora, can also be shown in the present study. Differences from literature information concerning habitat preferences and altitudinal amplitudes were found for different bird species, a fact which can be ascribed to the still quite sparse knowledge about the avifauna of the Ecuadorian mountain rainforests. During this study preferences concerning altitude and habitat were worked out for the bird species of different families, which, however, could not be linked with structural parameters of vegetation. On the other hand 12 bird species were recorded as index species for a certain structural forest type. For five of these species functional relationships between their distribution in the investigation area and structural vegetation parameters were found. A comparison of the bird communities along a gradient of human influence from ‘Primary ravine forest of lower altitude’ to ‘Ravine forest under human influence’ and ‘Remnants of ravine forest at lower altitude’ showed highest species richness and alpha-diversity in the anthropogenic influenced ravine forest. The number of typical forest species decreased along the gradient, whereas the number of typical forest edge species and species of semi-open habitats increased. Referring to feeding guilds, the number of understory insectivores, large frugivores and omnivores decreased along the gradient, whereas the number of granivores increased. The highest number of nectarivores was recorded in the ravine forest under human influence, probably due to the high number of food resources at the forest edge. Mainly the decreasing number of typical forest species under increasing human influence proves the significance of protecting large areas of undisturbed rainforest. This is especially important as the mountain rainforests of Ecuador show an extremely high deforestation rate and harbour an enormous biodiversity at the same time, as shown in the present study.show moreshow less

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Metadaten
Institutes:Geowissenschaften
Author: Detlev Paulsch
Advisor:Prof. Dr. Klaus Müller-Hohenstein
Granting Institution:Universität Bayreuth,Fakultät für Biologie, Chemie und Geowissenschaften
Date of final exam:29.04.2008
Year of Completion:2008
SWD-Keyword:Anden; Biogeographie; Ecuador <Süd>; Struktur-Aktivitäts-Beziehung; Vögel
Tag:Bergregenwald; Vogelgemeinschaften
Andes; Birds; Ecuador; biogeography; mountain rainforest
Dewey Decimal Classification:550 Geowissenschaften
RVK - Regensburg Classification:WI 9240
URN:urn:nbn:de:bvb:703-opus-4558
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):01.08.2008