VERSTÄNDNIS FÜR FREMDE KULTUREN

Understanding foreign cultures

Diese Studie entwickelt und testet ein Unterrichtskonzept für die Oberstufe, bei dem die Schüler Verständnis für fremde Menschen gewinnen sollen. Eigene Voruntersuchungen haben gezeigt, dass das Verständnis gegenüber Fremden, vor allem jedoch gegenüber Menschen aus sogenannten „Dritte-Welt-Ländern“ auch in der Oberstufe noch sehr gering ist und dass fremde Handlungsmuster oft schnell „verurteilt“ werden. In der Literatur wird dies bestätigt. In den vorausgehenden theoretischen Überlegungen wurdeDiese Studie entwickelt und testet ein Unterrichtskonzept für die Oberstufe, bei dem die Schüler Verständnis für fremde Menschen gewinnen sollen. Eigene Voruntersuchungen haben gezeigt, dass das Verständnis gegenüber Fremden, vor allem jedoch gegenüber Menschen aus sogenannten „Dritte-Welt-Ländern“ auch in der Oberstufe noch sehr gering ist und dass fremde Handlungsmuster oft schnell „verurteilt“ werden. In der Literatur wird dies bestätigt. In den vorausgehenden theoretischen Überlegungen wurde daher zunächst ein Überblick über bestehende Entwürfe zum Fremdverstehen gegeben. Gerade in den Konzepten des Globalen Lernens und des Interkulturellen Lernens spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle. Auch die Geographiedidaktik beschäftigt sich seit längerem mit dieser Fragestellung, wobei die Schwerpunkte hier, auch unter Berücksichtigung entwicklungspsychologischer Erkenntnisse, vor allem auf Konzepte für Schüler der Unter- und Mittelstufe, ebenso wie für die Grundschule liegen. Eine zentrale Rolle innerhalb all dieser Konzepte spielt der Perspektivenwechsel. Da Schüler erst in der Phase der Adoleszenz den Standpunkt, von dem aus gedacht wird, in die eigenen Überlegungen einbeziehen können, können sie auch erst in dieser Phase Perspektivenübernahme vollziehen. Deshalb wurde gerade für die Oberstufe ein „Modell-Unterricht“ entwickelt, der sowohl Aspekte der bereits existierenden Ansätze enthält, vor allem den der Werteorientierung, aber auch ergänzende Konzepte aus anderen Wissenschaften, vor allem aus der Psychologie. Im Mittelpunkt stehen hier das Stufenmodell interkulturellen Lernens nach WINTER, sowie die „zentralen Kulturstandards“ nach THOMAS. Die Schüler müssen sich dessen bewusst werden, dass menschliches Handeln von kulturellen Faktoren abhängt. Jede kulturelle Gruppe schafft sich ein ihrem spezifischen Lebensraum angemessenes Regelsystem, das wiederum Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln bestimmt. Weichen die Regelsysteme verschiedener Menschen zu sehr voneinander ab, kann es sehr schnell zu Nicht-Verstehen, Missverständnissen oder Konflikten kommen. Interkulturelles Lernen vollzieht sich nach WINTER in verschiedenen Stufen. Eine Fähigkeit zur Koordination kulturdivergenter Handlungsschemata ist erst dann möglich, wenn zunächst Inhalte der Landeskunde erworben werden und im zweiten Schritt das kulturfremde Orientierungssystem erfasst wird. Der Unterricht teilt sich in zwei Teile: Im ersten Teil wurden die Schüler, unter Berücksichtigung der Kritischen Psychologie und einer optimalen Inkongruenz zwischen aktuellen Informationen und dem beim Schüler bereits vorhandenen Schemata, mit vielen praktischen Beispielen in die Theorie der Kulturstandards eingeführt, im zweiten Teil wurden die erworbenen Kenntnisse am Beispiel „Afrika“ umgesetzt und eingeübt. Dieser Unterricht wurde mittels Fragebögen zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten an acht verschiedenen Schulen in Bayern evaluiert. Die Ergebnisse wurden mit denen einer Kontrollgruppe verglichen. Zur Interpretation der Ergebnisse wurden auch intensive Gespräche mit Schülern und Lehrern nach dem Unterricht geführt. Während zu Beginn der Studie das Verständnis für Fremde in der Kontrollgruppe und in der Treatmentgruppe gleich groß war, zeigen die Ergebnisse nach dem Unterricht einen deutlichen Einstellungswandel in der Treatmentgruppe hinsichtlich mehr Verständnis für fremde Menschen und deren Handlungsmuster. Bei den männlichen Teilnehmern, die zu Beginn weniger Verständnis und weniger Interesse am Thema zeigten, erzielt das Treatment einen höheren Erfolg als bei den Teilnehmerinnen. Der traditionelle Erdkundeunterricht an bayerischen Gymnasien wirkt sich nicht signifikant auf die Einstellungen bzw. das Verständnis für Fremde aus. Auch ist das Interesse an fremden Ländern nicht ausschlaggebend für den Lernerfolg. Wohl aber sehen die Schüler selbst, die Erkenntnis, dass andere Länder andere Kulturstandards besitzen und daher anders handeln und anders urteilen als wesentlich für den Lernerfolg. Die Erfassung zentraler Kulturstandards und deren Auswirkungen stellt so eine Möglichkeit dar, dass Schüler die gesellschaftliche Bedingtheit ihrer eigenen Wertungen bewusst akzeptieren und Fremdheit aushalten können bzw. Fremde verstehen lernen. Bei der Behandlung fremder Länder gibt der Erdkundeunterricht seit jeher auch einen Einblick in fremde Kulturen. Der Erdkundelehrer kann und sollte in diesem Zusammenhang die Chance und vielleicht auch die Verpflichtung der Vermittlung interkultureller Kompetenz im Sinne der Forderung der UNESCO nach Modellen interkultureller Erziehung auf allen Ebenen bis hin zur Hochschule, nutzen bzw. wahrnehmen und die Schüler somit - im privaten und beruflichen Bereich - auf das Leben in einer globalisierten Welt vorbereiten. Nicht umsonst wurden in den letzten Jahren vermehrt Trainingsprogramme entwickelt, mit deren Hilfe überregional agierende Unternehmen ihren Mitarbeitern interkulturelle Kompetenz vermitteln wollen.show moreshow less
This essay develops and tries out a concept for students of senior classes, in which they learn how to achieve understanding for foreign people. My own preliminary inquiries have shown, that even in senior classes understanding for foreigners, particularly foreigners from so-called Third World Countries, is very low and strange plot samples are often “condemned” fast. In the literature this is confirmed. First, in the preliminary theoretical examinations a survey of existing concepts for understThis essay develops and tries out a concept for students of senior classes, in which they learn how to achieve understanding for foreign people. My own preliminary inquiries have shown, that even in senior classes understanding for foreigners, particularly foreigners from so-called Third World Countries, is very low and strange plot samples are often “condemned” fast. In the literature this is confirmed. First, in the preliminary theoretical examinations a survey of existing concepts for understanding foreigners has been presented. Particularly in the concepts of global and intercultural learning this aspect plays a generous loom. The didactic of geography deals with this question for a long time as well in which the main emphases here lie, also under consideration of development psychological knowledge primarily on concepts for pupils of the lower and intermediate grades just like for the primary school. The perspective change plays a central role within all these concepts. Since pupils can not take the point of view of others into their own considerations until their phase of adolescence they can only in this phase perform the perspective change. Therefore “model-lessons” especially for advanced level were developed, which contain aspects of already existing attempts, primarily value-orientation, as well as supplementary concepts from other sciences primarily from psychology. The focus here is on the step model of intercultural learning by WINTER and "central cultural standards" by THOMAS. The pupils must become conscious that human behavior depends on cultural factors. Each cultural group creates their own adequate system of rules according to their specific environment which in turn determines the perception, thinking, judging and behaviour. Do the system of rules of different human beings differ too much, it can cause very easily misunderstanding and conflicts. According to WINTER intercultural learning takes place in several steps. The ability to coordinate culture divergent plot schemes is only possible, if first regional studies and second, the cultural-unknown orientation system was acquired. These lessons divide into two parts: in the first part, the pupils, under consideration of the critical psychology and a optimal incongruency between current information and already existing schemes were inducted into the theory of cultural standards with many practical examples. In the second part, illustrated by Africa, the acquired skills were implemented and practised. These lessons were evaluated by means of questionnaires at three various times at eight different schools in Bavaria. The results were compared to those of a control group. Also intensive conversations with pupils and teachers were held after the lessons to the interpretation of the results. While at the beginning of the essay the understanding for foreigners was the same in the control and in the treatment group, the results after the lessons showed a substantial change in attitude in the treatment group according to increased understanding for foreigners and their behaviour pattern. The results show a substantial change in attitude in the treatment group according to increased understanding for foreigners and their behaviour. With the male participants who showed less understanding and less interest in the topic at the beginning, the treatment achieves a higher success than with the female participants. The traditional geography lessons at Bavarian high schools doesn't affect the attitudes or the understanding significantly. Besides, the general interest in foreign countries is not decisive for the studying success. However, the pupils consider the knowledge as essential for the studying success that other countries have other culture standards and therefore act and judge differently. Recording central cultural standards and their consequences represents the possibility, that pupils accept consciously the social causality of their own judging and endure foreignness or rather learn to understand foreigners. At the treatment of foreign countries geography lessons always give an insight into foreign cultures. The geography teacher can and should take the chance and even maybe the obligation of imparting intercultural competence, also according to the demand of UNESCO for models of intercultural education at all levels up to the university, the geography and thus prepare the pupils for, in private as well as in professional life, a existence in a globalised world. Not for nothing in the last years more and more training methods have been developed in order to give employees of worldwide operating companies intercultural competence.show moreshow less

Download full text files

Export metadata

  • Export Bibtex
  • Export RIS
  • frontdoor_exportcitavi

Additional Services

    Share in Twitter Search Google Scholar
Metadaten
Institutes:Geowissenschaften
Author: Gabriele Schrüfer
Advisor:Prof. Dr. Helmut Ruppert
Granting Institution:Universität Bayreuth,Fakultät für Biologie, Chemie und Geowissenschaften
Date of final exam:25.04.2003
Year of Completion:2003
SWD-Keyword:Afrika; Geographieunterricht; Gymnasium / Oberstufe; Interkulturelle Erziehung
Tag:Kulturstandards; Perspektivenwechsel; Unterrichtskonzept
Africa; geography; intercultural learning; understanding foreigners
Dewey Decimal Classification:370 Bildung und Erziehung
URN:urn:nbn:de:bvb:703-opus-761
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):10.02.2004